Interview mit Wirtschaftsinitiative-Geschäftsführer Klaus Wurpts

Im Interview spricht damalige Wirtschaftsinitiative-Geschäftsführer Klaus Wurpts über alarmierende Ergebnisse der Studie "Kreativwirtschaft in Mitteldeutschland" sowie Zielgruppen und Inhalte der Zukunftskonferenz 2007.

Herr Wurpts, Grundlage der Zukunftskonferenz ist die druckfrische Studie zur Kreativwirtschaft in Mitteldeutschland. Welche Ergebnisse sind für Sie besonders interessant?

Klaus Wurpts: Überraschend ist, dass zu den "Hot Spots" (Städte, deren Beschäftigungsanteil in den Creative Industries überdurchschnittlich zulegte, Anm. d. Red.) nicht nur Metropolen wie Dresden oder Leipzig gehören, sondern z. B. mit Görlitz auch eine Stadt aus der zweiten Reihe gut aufgestellt ist. Zusammen mit der Einschätzung, dass keine andere Wirtschaftsbranche europaweit derzeit ein größeres Wachstum als die Creative Industries aufweist, setzt dieses Ergebnis positive Signale ? v. a. auch in Richtung der jungen Generation.

Die Studie zeigt, dass einzelne Teilmärkte starke Zuwächse verzeichnen, während gleichzeitig andere mit Verlusten zu kämpfen haben. Liegt die Kunst in der Vielfalt oder in der Konzentration?

Wurpts: Es ist für eine Stadt nicht sinnvoll, auf Branchen zu setzen, die bisher keine Verankerung vor Ort haben. Nur weil Städte wie Görlitz oder Chemnitz im Bereich Software/Games Industry Zuwächse im dreistelligen Prozentbereich verzeichnen, ist das für andere Städte mit anderen Voraussetzungen kein Erfolgsgarant. Entscheidend ist, dass eine Stadt ihre wirtschaftlichen Cluster kennt und ihre Stärken fördert. Um die Kreativen in der Stadt zu halten bzw. den Zuzug von Externen anzukurbeln, muss zudem das gesellschaftliche Umfeld stimmen. Faktoren wie das kulturelle Angebot, Toleranz und Offenheit sind von entscheidender Bedeutung.

Die Zukunftskonferenz 2007 wertet die Ergebnisse der Studie aus und diskutiert in Workshops die aktuelle Situation, vorhandene Potenziale und den konkreten Handlungsbedarf bzw. Maßnahmen zur Umsetzung. An wen wendet sich die Veranstaltung?

Wurpts: Generell ist natürlich jeder willkommen! Ich denke jedoch, dass Vertreter aus mittleren und größeren Unternehmen und Entscheider aus Politik und Verwaltung das größte Interesse haben. Fragen wie "Was können Unternehmen und Städte tun, um als Arbeitgeber bzw. Lebensumfeld attraktiv zu sein?" oder "Wie wird die Region in Bezug auf ihre Offenheit wahrgenommen?" sprechen vor allem Verantwortliche aus Wirtschaft und Wissenschaft an. Schließlich hoffen wir auf viele kreative Köpfe ? nicht nur weil sie ihre Erfahrungen und Wünsche im Dialog direkt äußern können.

Auf welche Workshops sind Sie besonders gespannt?

Wurpts: Zum einen halte ich das Thema "Toleranz", das bei einer Konferenz dieser Größenordnung zum ersten Mal beleuchtet wird, für sehr interessant. Toleranz ist ein Standortfaktor für Kreative ? da stellt sich natürlich die Frage, wie tolerant die Mitteldeutschen sind, wie sie von außen wahrgenommen werden und was zur Förderung von Toleranz getan werden kann. Zum anderen finde ich den "Szene"-Aspekt sehr spannend. Bei diesem Workshop geht es um die Zielgruppe der jungen Szene- Menschen, die besondere Erwartungen an einen Standort haben und als kreatives Milieu auch besonders gestärkt werden müssen.

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